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Der "Unrechtsstaat"

Diesen Artikel habe ich im Internet gefunden und fand das, was auch ich empfinde und denke, so toll ausgedrückt, dass ich den Autor um die Erlaubnis gebeten habe, ihn hier zu veröffentlichen - vielen Dank nochmal!

Der „Unrechtsstaat“ oder „Auf der anderen Seite der Freiheit“

Das „Herbst-Loch“ scheint gefüllt zu sein mit Veröffentlichungen zu den Themen Einheit, Recht und Freiheit – der Anlass dazu liegt hinter uns, aber die offenen Fragen begleiten uns weiter; vielleicht bis zum Ende des nächsten Vierteljahrhundert.

Eigentlich ist das voraussehbar, weil abstrakte Begriffe wie Recht, Unrecht, Freiheit, Demokratie etc. immer wieder pauschal und je nach Interessenlage der Nutzer bemüht worden sind.

Was beispielsweise Recht oder Unrecht ist, entscheiden die jeweils herrschenden Politiker eines Staates – egal, ob sie vom Volk gewählt oder (wie in Deutschland) eher nicht gewählt wurden.

Die Weltgeschichte verdeutlicht das sehr anschaulich mit allen bisherigen Staatssystemen.

Zutreffend ist das aber auch für einen freiheitlich-demokratischen Staat wie Deutschland.

Als Beispiel dafür müssen hier nicht mehr die Notstandsgesetze der Adenauer-Ära bemüht werden. Es gibt ausreichend viele aktuelle Ereignisse, die sehr deutlich zeigen, wie wenig frei das regierte Staatsvolk wirklich ist und wie wenig demokratisch Entscheidungen für oder besser gegen das deutsche Volk getroffen werden.

Ohne die gebotenen „Reinigungsarbeiten“ intern, vor der eigenen Haustür, zu erledigen, ist es selbstverständlich viel einfacher und beifallssicherer, wenn die ehemalige DDR immer wieder als dunkelrotes Schreckgespenst dargestellt wird, gebetsmühlenartig zu jedem möglichen Anlass unrealistische Verallgemeinerungen von Einzel- und Gruppenschicksalen wiederholt und dem ehrfürchtig lauschenden deutschen Michel in sein ohnehin schon aufgeweichtes Hirn gespült werden.

Dazu bemüht man in (fast) allen Medien immer wieder auch primitive Klischees, die nicht nur fünfeinhalb Jahrzehnte alte Vorurteile auf beiden Seiten der ehemaligen Zonengrenze immer wieder neu aufleben lassen.

Die vorgenannten Schicksale sind jedoch nicht repräsentativ für die insgesamt etwa 17 Millionen DDR-Bürger, weil 1989/90 geschätzte 15 Millionen von ihnen lediglich Veränderungen des politischen Systems durchsetzen, aber nicht ihren Staat verlassen wollten.

Wohin hätten sie auch gehen sollen?

Wären nur zwei Millionen von ihnen „gegangen“, hätte das zu einem totalen wirtschaftlichen und verwaltungstechnischen Chaos in den alten Bundesländern geführt. Dann wäre der „Westen“ gezwungen gewesen, die plötzlich offene Grenze sofort wieder zu schließen, um den vandalengleichen Ansturm der Ost-Germanen mit Hilfe der Bundeswehr zu stoppen. -

Heute ist sehr deutlich zu sehen, wie wenig „Zuwanderung“ Deutschland verkraftet.

Ob massenhaft ausgereiste DDR-Bürger geduldiger gewesen wären als Kurden, Syrer, Afrikaner etc. ist sehr wenig wahrscheinlich, und … dieser Vergleich hinkt nicht.

Glaubwürdige Statistiken belegen übrigens, dass zur Wendezeit weniger als die Hälfte der DDR-Bürger positiv zu einer Wiedervereinigung eingestellt war – wohl wissend, dass man nicht nur die „Goldene Banane“ ernten würde, sondern auch den ganz normalen Kapitalismus mit allen negativen Begleiterscheinungen.    

 Man sollte es sich also einfach verkneifen, einen Staat und seine Bevölkerung zu beurteilen oder gar zu verurteilen, dessen und deren Geschichte nach wie vor nicht so aufgearbeitet wurde wie das notwendig wäre, damit nicht der bittersüße Nachgeschmack primitivster Massenverdummung à la Boulevard-Journalismus erhalten bleibt – zumindest nicht bei den vielen Millionen DDR-Bürgern, die ihren Staat zwar nicht zurück haben möchten, aber ihn sich auch nicht nehmen und ausschließlich schlecht darstellen lassen wollen.

Es war ihr Leben und ihre ganz eigene Geschichte, die als Folge des 2. Weltkrieges begann.

Das wurde und wird sehr oft genauso ignoriert wie die folgenden Tatsachen:

In der DDR gab es weder einen Marshall-Plan noch eine Zonenrand- oder sonstige finanzielle Förderung, sondern 40 Jahre lang pure Ausbeutung nicht nur durch die UdSSR – auch Reparationen genannt. Ein kleines „Wirtschaftswunder Made in GDR“ war Dank des Fleißes der DDR-Bürger trotzdem möglich, obwohl und weil die West-Kredite keinesfalls Geschenke gewesen sind.

Der angesichts dessen makaber erscheinende Scherz, dass die DDR auch ein „Kapital“ besaß, aber nur das von Karl Marx, wurde in diesem Staat kreiert und enthält bei aller Komik einen deutlichen Hinweis auf das Kapital „Mensch“ und seinen Leistungs- und Überlebenswillen in diesem aus allen Himmelsrichtungen wirtschaftlich bedrohten Staat.

Viel Gutes hätte man von diesem seltsamen Staat DDR und seinen Bürgern übernehmen können, aber das war politisch nicht gewollt und aus wirtschaftlichen Gründen schon gar nicht angedacht, weil viele alt-neue Politiker dafür gesorgt haben, dass erst einmal alles zerstört wurde, was auch nur geringfügig nach Sozialismus roch oder selbst nur blassrosa angemalt war.

Erinnert sei hier nur an die mehr als 80 Millionen Bücher, die von der Treuhand aus DDR-Bibliotheken, Verlagen und Verkaufsstellen entfernt und vernichtet wurden – auch viele Millionen Werke der Weltliteratur wurden Opfer dieser neuzeitlichen Bücherverbrennung.

Die Verantwortlichen für diese insgesamt mit einigen Millionen D-Mark (aus Steuermitteln) bezahlte Aktion erhielten für ihre saubere Leistung sogar noch Orden auf ihre stolz geschwellten Brüste geheftet.

Das ist aber nur ein ganz kleines Beispiel aus der Unrechts- und Geldverschwendungsliste der deutschen Wiedervereinigung, und diese Liste ist lang, sehr lang. Wenn man sie kennt, relativiert sich vieles, was absichtlich oder auch nicht an gegenseitigen Beschuldigungen und Unwahrheiten aufgebauscht wurde.

Gegenseitige Vorurteile und die ebenfalls nach wie vor existierenden tiefen Gräben zwischen West und Ost lassen sich jedenfalls mit hohlen Phrasen, recherchefreien Verallgemeinerungen und allmählich doch auch etwas dümmlich wirkendem Gefasel von Freiheit, Recht und vergleichbar zu Huren degradierten Schlagwörtern auch in den nächsten 25 Jahren nicht beseitigen.

Die DDR-Bürger hatten weiß Gott oder Marx andere Sorgen zu ihrer Zeit und ganz aktuell ebenfalls, als sich immer wieder neu anhören zu müssen, wie furchtbar schlecht, halb verhungert, völlig rechtlos unterdrückt, Tag und Nacht vor der Stasi zitternd und zerlumpt sie 40 Jahre lang in Weltkriegsruinen dahinvegetiert sein sollen.

Viele Umfragen (nicht nur in sozialen Netzwerken) bestätigen, dass sich immer mehr Ost-Deutsche selbst fragen, in welcher DDR sie gelebt haben sollen.

Wer an solch unsortierten Gedankenmüll aber immer noch glaubt, sollte sich vielleicht von Stammtischen wenigstens etwas entfernen und statt dessen Bücher von politisch neutralen Zeitzeugen lesen, die (sehr genau recherchiert) geschrieben wurden, um vorgenannte Gräben einzuebnen und Vorurteile selbst beim deutschen Lieschen Müller und ihrem naiven Michel zumindest zu relativieren.

Zigtausende teilweise extrem kontroverse Kommentare zu Ost-West-Themen, zwischen seichte Spielangebote eingeordnet, zeigen aber nicht nur in sozialen Netzwerken (wie beispielsweise „Facebook“, aber auch „Seniorbook“ etc.), wie sehr uneinig Deutschland auch an der Basis immer noch ist. Heftige gegenseitige Beschimpfungen, Beleidigungen und Unterstellungen zwischen Ost- und West-Nutzern sind dort fast täglich nachlesbar.

Das scheint aber politisch gewollt zu sein, weil sich sehr viele Menschen unseres Staates auch damit wunderbar ablenken lassen von ihren eigentlichen Problemen.

„Panem et circenses“ ist offensichtlich aktueller als je zuvor. 

Über den Autor

Der Autor Hubert S. ist 1949 im Thüringischen „Eichsfeld“ in direkter Nähe der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze geboren.


Schon als 12jähriger Schüler begann er Tagebücher zu schreiben und führte sie etwa 40 Jahre lang in vielen Bänden weiter.

Er schuf damit Zeitdokumente, die sowohl die schlechten, aber zweifelsfrei auch guten Seiten der DDR beleuchten und viele sehr kritische Vergleiche mit dem anderen deutschen Staat ziehen.

Diese Tagebücher und ein ebenfalls etwa 40 Jahre andauernder Briefwechsel mit einer ehemaligen Baggerfahrerin aus dem Brandenburgischen Schwarzheide waren Grundlagen für das erste Buch des Autors, das 2013 gedruckt wurde.

Dieses Buch „Vielleicht ein Roman?“ löste heftige Reaktionen im Osten wie im Westen Deutschlands aus. Es enthält wahre Geschichten aus dem DDR-Alltag, eine gefühlvolle Liebesgeschichte, zwei amüsante Reiseerzählungen, die speziell die Insel „Usedom“ und die polnische Ostseeküste betreffen und immer wieder auch kritisch-ironische Vergleiche zwischen DDR, BRD und dem wieder vereinten Gesamtdeutschland.

Der Autor ist gelernter Traktorenschlosser und hat 35 Jahre als Ingenieurpädagoge in beiden deutschen Arbeitsschutz- und Brandschutzsystemen gearbeitet.

Demnächst werden seine ersten Gedichte als E-Book erscheinen.